Das Kloster San Nicola di Casole bei Otranto

Die vergessenen Ruinen des Klosters San Nicola di Casole bei Otranto, einst ein Beispiel für die Koexistenz griechisch-byzantinischer und lateinischer Kultur und Religion im Salento..



"Als eine der ältesten Klosterbibliotheken des Abendlandes, älter vielleicht als die von Cassiodorus im Coenobium Vivariense errichtete, galt die von Sankt Nikolaus bei Otranto. Sie war reich an griechischen Handschriften. Der Kardinal Bessarion hatte sich davon einen Teil angeeignet, und dieser verunglückte mit seiner Bibliothek in Venedig. Was noch in jenem Kloster von Manuskripten geblieben war, vernichteten die Türken, als sie im Jahre 1480 Otranto eroberten."

Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien (1856-1877) Projekt Gutenberg-DE

Wenige Kilometer südlich von Otranto befindet sich eines der wichtigsten Zeugnisse der griechisch-byzantinischen Kultur Süditaliens: Das Kloster San Nicola di Casole - vergessen und sich selbst überlassen, erinnert es an Zeiten, als Otranto ein Ort der Begegnung zwischen Orient und Okzident war.

Die jahrtausendealte Geschichte Otrantos wurde maßgebend durch seine Lage, als die östlichste Stadt Italiens, beeinflusst. Auch nach dem Schisma von 1054 und der damit folgenden Trennung der lateinischen Kirche im Westen und der Griechischen im Osten, blieb Otranto zunächst weiter unter byzantinischer Herrschaft und ergab sich erst 1071, als letzte italienische Stadt, endgültig den Normannen . Die salentinische Halbinsel war schon immer griechisch-byzantinisch geprägt und die griechische Sprache flächendeckend verbreitet: Bis in die heutigen Tage existiert die Griko-Sprache in der Grecìa Salentina, mitten im Herzen des Salento.

Das Kloster San Nicola di Casole wurde 1098 unter Bohemund von Antiocha und Tarent, als orientalisch katholischer Orden der Basilianer gegründet. Vom 11. bis ins 15 Jh. entwickelte sich das Kloster zu einem der bedeutendsten Zentren griechischer Kultur und Bildung in Süditalien. Seine Bibliothek war weit über die Grenzen Apuliens hinaus bekannt.


Die vielleicht bekannteste Persönlichkeit, die mit dem Kloster in Verbindung gebracht wird, ist dessen Abt Nikolaos von Otranto, auch unter dem Namen Nektarios von Casole bekannt. 1155/60 in Otranto geboren, war der spätere Klostervorsteher sowohl als Griechisch-Dolmetscher für verschiedene Kardinäle tätig, reiste als Vertreter der griechischen Kirche Apuliens nach Konstantinopel  und war als Gesandter Friedrich II unterwegs. Nikolaos von Otranto war nicht nur Übersetzer und Dolmetscher, sondern verfasste auch eigene Schriften und Gedichet.

Das Kloster San Nicola di Casole war ein Beispiel der Koexistenz griechisch-byzantinischer und lateinischer Kultur und Religion, und hatte eine wichtige Rolle als Begenungsstätte der Kulturen inne.

Im Jahr 1480 wurde die Bibliothek des Klosters bei der Belagerung Otrantos von den Osmanen zerstört. Heute erinnern nur noch wenige verbliebene Reste des kulturellen und religiösen Zentrums an die ruhmreichen vergangenen Zeiten. Einige Kolonnen und Mauerreste, sowie der zentrale Brunnen des Kreuzganges sind noch zu sehen. Kein Schild weist den Weg nach San Nicola di Casole, auch in vielen Reiseführern findet das Kloster keine Erwähnung - vergessen befindet sich die Klosterruinen heute auf dem privaten Grundstücks einer Masseria.
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Nur wenige Mauerreste und Kolonnen, heute von Brombeerbüschen überwuchert, sind vom ehemaligen Kloster San Nicola di Casole noch zu sehen.

Die Zufahrt zur einstigen Klosteranlage San Nicola di Casole



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Das Kloster San Nicola di Casole bei Otranto
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