Endstation Otranto

Mit dem Zug durch den Salento: Mit der Ferrovie del Sud Est unterwegs in Süden der Region Apulien.

Poggiardo, neun Uhr morgens. Ein Bahnhofsgebäude, ein Schalter. Ein Fahrkartenautomat existiert nicht. Ich brauche mir also auch keine unnötigen Gedanken um komplizierte Streckennetze und deren Tarife machen. Geflissentlich erkundigt man sich nach meinem Fahrtziel. Euro 2,10 später, halte ich meine Fahrkarte nach Otranto in der Hand.

Das Entwerten verursacht mir  Schwierigkeiten. "Mit der grünen Seite nach oben zum Entwerten" steht auf dem Fahrschein geschrieben. Ich befolge die Anweisungen, nur will es mit dem Entwerten einfach nicht klappen. Man bemerkt meine Unerfahrenheit und steht mir hilfreich zu Seite. Endlich macht es "Bing" und schon werde ich über die Bahngleise gewunken. Die Angestellten der Ferrovie del Sud Est sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.

Ferrovie del Sud Est Maglie - Otranto

Ich solle einsteigen, der Zug fahre in wenigen Minuten ab. Aber ich möchte noch nicht mit diesem Zug fahren, sondern erst um 9.37 Uhr, mit dem ich sofort einen Anschlusszug in Maglie nach Otranto habe. Schließlich habe ich online die Fahrpläne konsultiert!

Dass ich noch den Bahnhof von Poggiardo fotografieren möchte, sage ich natürlich nicht laut. Ich werde noch zweimal aufgefordert in diesen Zug zu steigen. Ich bleibe unnachgiebig. Mein Verhalten erregt Unverständnis, wird aber letztendlich mit einem Achselzucken abgetan.

Bahnhof Poggiardo
Morgens um neun in Poggiardo. Der Frühnebel verzieht sich im Salento schnell, um der Sonne Platz zu machen

Der Zug fährt ab und ich beginne in Seelenruhe den Bahnhof zu fotografieren, inklusive der manuellen Weichenstellung. Aufgrund meines Interesses  an der Technik aus anderen Jahrhunderten, bekomme ich auch prompt eine detaillierte Erklärung darüber, wie die Weichen gestellt werden und mit welchem Hebel der nahe Bahnübergang geschlossen wird. Ich bin fasziniert.

Im südlichen Apulien findet man auf vielen Streckennetzen noch Bahnhöfe, die aus einem anderen Jahrhundert zu stammen scheinen.

Auf meine Frage, ob noch weitere Übergänge manuell geschlossen werden, gab es eine einfache und aufschlussreiche Antwort: „Alle bis nach Gagliano del Capo!“ Aber man wäre dabei das Schienennetz zu modernisieren und aus diesem Grund wäre die Strecke Gagliano – Tricase gesperrt und deshalb käme auch mein 9.37 Uhr Zug mit Verspätung. Ich werfe dem zuvorkommenden Bahnhofswärter einen schrägen Blick zu und frage kleinlaut:

„Und mein Anschlusszug von Maglie nach Otranto?" 
„Ich sagte Dir ja, dass Du den den anderen Zug nehmen sollst.“ 

1:0 für Italien! Aber irgendwann kommt er – mein 9.37 Uhr-Zug. Genauer gesagt, es kommen zwei Waggons, die mich an die alten Schienenbusse erinnern, mit denen ich als Kind fahren durfte. Das Interieur ist im Retro-Look gehalten. Ich freue mich darüber, dass die Fenster noch zu öffnen sind. Dem Einsatz meiner Kamera steht nichts mehr im Wege. Und wer braucht schon eine Klimaanlage im Süden Italiens?

Bahnfahrt im Süden Apuliens: Manche Züge sind noch im "Retro-Look"

In Maglie muss ich umsteigen. Auch hier geht man sehr umsichtig mit mir um, vielleicht weil ich mich, bewaffnet mit Fotokamera, heute als Tourist zu erkennen gebe:

„Signora, dove deve andare“ (Wohin möchten sie, Signora).
„Otranto!“ 
„Binario numero 3." (Bahngleis Nummer Drei). 

Zwei Waggons erwarten mich auch hier. Aber dieses Mal fahren wir pünktlich auf die Minute ab. Ich bin unzählige Male nach Otranto gefahren, aber meist von Santa Cesarea Terme, die Küstenstraße entlang. Heute lerne ich den Salento von einer mir unbekannten Seite kennen.  Zwar hatte ich gelesen, dass die Strecke Maglie - Otranto zu den schönsten des gesamten Streckennetzes der Ferrovie del Sud Est zählt, aber ich war trotzdem überrascht. Man fährt mit einer Geschwindigkeit von maximal 50 Stundenkilometer fast ausschließlich durch Olivenhaine, die sich bis zum Meer erstrecken. Eine wunderschöne Fahrt, die ich bei Gelegenheit nochmals wiederholen werde.

Zug Maglie - Otranto: Olivenbäume und Trockensteinmauern

Bahnhof Bagnolo (Apulien)
Zwischenstopp Bagnolo

Olivenhaine auf der Strecke Maglie - Otranto
Aus dem Zugfenster geknippst: Olivenhaine zwischen Maglie und Otranto.

Zwanzig Kilometer und dreißig Minuten später endet meine heutige Fahrt in Otranto. Ich bin in der östlichsten Stadt Italiens angekommen. Der morgendliche Frühnebel hat sich schon lange verzogen. Die Sonne strahlt und selbst Ende Oktober ist es noch warm genug, dass manch einer ein erfrischendes Bad im Meer wagen kann.

In Otranto endet die Linie Maglie - Otranto der Ferrovie del Sud Est
Endstation Otranto: Hier endet für heute meine kurze Reise mit der Ferrovie del Sud Est durch das südliche Apulien

Bahnhof von Otranto (Apulien, Italien)
Das Bahnhofsgebäude von Otranto. Bis zur Altstadt sind es ca. 15 Gehminuten.

Hier endet für heute meine Fahrt mit der Eisenbahn des Südostens Italiens, der Ferrovie del Sud Est. Ich habe viel gelacht und Spaß gehabt. Die Zugfahrt ging durch eine bezaubernde Landschaft, die ich selbst noch nicht von dieser Seite aus kannte. Begeistert hat mich die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bahnangestellten - auf deren Ratschläge man durchaus hören sollte ;-) Ein wenig nostalgisch stimmt mich die anstehende Modernisierung der Bahnstrecken im südlichen Apulien, auch wenn für alle tägliche Pendler dies natürlich ein Fortschritt darstellt.

Wer noch mehr Bilder von meinen Fahrten mit der Eisenbahn von Poggiardo nach Otranto und Gallipoli sehen  möchte, wird im folgenden Artikel fündig werden: http://blog.goeuro.de/sueden-apuliens-auf-schienen/

Für mehr Informationen über das Streckennetz der Ferrovie del Sud Est, Zugverbindungen und Fahrzeiten: http://www.fseonline.it/
Für Eisenbahnbegeisterte gibt es in Lecce  das kleine Museum "Museo Ferroviario della Puglia"http://ferromuseopuglia.altervista.org/


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Go South East: Endstation Otranto
Endstation Otranto
Mit dem Zug durch den Salento: Mit der Ferrovie del Sud Est unterwegs in Süden der Region Apulien.
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