Alles koscher in Rom

Ein Spaziergang durch das historische Rom zum jüdisches Viertel der Ewigen Stadt.


Rom ist eine Reise wert. Leider ist nicht nur meine Wenigkeit dieser Meinung. Die gefühlte halbe Welt bewundert gemeinsam mit mir den Petersdom. Wir stehen zusammen Schlange am Kolosseum und reißen die Arme in die Höhe, um den Trevi-Brunnen über den Köpfen der Touristen hinweg abzulichten. Rom ist eine schöne Stadt - von der U-Bahn vielleicht einmal abgesehen. Wohl kaum eine andere Stadt bietet mehr Kulturdenkmäler auf engerem Raum als Rom. Zumindest einmal im Leben muss man die Ewige Stadt gesehen haben.

Auch ich habe mein Herz in Rom verloren. Aber nicht die Spanische Treppe oder der Pantheon sind dafür zur Verantwortung zu ziehen. Verliebt habe ich mich in ein kleines Viertel im Zentrum Roms, welches mich mit seiner Atmosphäre in den Bann gezogen hat und wo man - zu meinem eigenen Erstaunen - nur auf wenige Touristen trifft. Von welchem Stadtviertel ich spreche? Natürlich von der Rione Sant'Angelo oder dem ehemaligen jüdischen Ghetto Roms.

Viele Wege führen nach Rom und fast genauso viele zum jüdische Viertel. Hier meine persönlichen und nicht vollständigen Routenvorschläge, die Euch zur Rione Sant'Angelo bringen.

Campo de' Fiori

Wer von Norden kommt, sollte sich den Campo de' Fiori nicht entgehen lassen. Der Platz befindet sich genau an den Grenzen der Stadtviertel Parione und Regola. Am Vormittag herrscht auf der Piazza noch heute ein reges Markttreiben. Wie der Name bereits verrät, sind auch Blumen (fiori) im Angebot. Wörtlich übersetzt bedeutet Campo de' Fiori allerdings nicht Blumenplatz, sondern Blumenfeld. Vielleicht sahen Asterix und Obelix in der Antike hier noch Blumen auf dem Feld blühen.

Blumenstand auf der Campo de' Fiori (Rom)

Kaum zu übersehen ist das, dem Philosophen und Priester Giordano Bruno gewidmete, Denkmal auf dem Campo de' Fiori. Rom hat auch einige dunkle Kapitel der Geschichte zu bieten. Einst wurden hier, dort wo heute Blumen- und Gastronomieständen stehen, Scheiterhaufen der Inquisition errichtet. Nach einem jahrelangen Aufenthalt im Kerker der Engelsburg, brannte Giordano Bruno - als Ketzer verurteilt -  im Februar 1600 auf dem Scheiterhaufen am Campo de' Fiori.

Das Denkmal Giordano Bruno auf dem Campo de' Fiori (Rom)

"Die unzureichende Sinnenswahrnehmung widerlegt die Unendlichkeit nicht."
Giordano Bruno: Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten (De l'Infinito, Universo e Mondi, 1584)

Marcellustheater


Wer sich von Süden kommend dem jüdischen Viertel Roms nähert, kommt fast unweigerlich an dem Marcellustheater bzw. Teatro di Marcello vorbei. Wie man auf dem Bild gut erkennen kann, ist das antike Theater bis heute bewohnt. Von hier sind es nur wenige Gehminuten bis zum ehemaligen Ghetto Roms.

Area Sacra

Area Sacra und Largo di Torre Argentina im historischen Zentrum von Rom

Wer hingegen von Westen kommt, wird den verkehrsreichen Platz Largo di Torre Argentina und die Area Sacra (heilige Bezirk) kaum übersehen können. Mitten im Verkehrschaos Roms, stehen hier die Überreste von vier antiken Tempeln Ich vermute allerdings, dass die Katzenkolonie fast berühmter ist als die archäologischen Ausgrabungen selbst.

Für alle, die wie ich selbst große Katzenfans sind, sei folgende Webseite empfohlen: Roman Cats und Cats on Coach

Tiberinsel

Ponte Cestio (auch Ponte San Bartolomeo) verbindet das Stadtviertel Trastevere mit der Tiberinsel (Rom)

Wer von dem gegenüberliegenden Ufer des Tibers bzw. dem Viertel Trastevere kommt, gelangt über die Tiberinsel zum jüdischen Viertel. Einst soll auf dem kleinen Eiland im Tiber ein Tempel gestanden haben, der dem Gott der Heilkunst Äskulap geweiht war. Noch heute befindet sich hier das Krankenhaus des Ordens der Barmherzigen Brüder vom Hl. Johannes. Verbunden ist die nur wenige hundert Meter lange Insel mit zwei Brücken, Ponte Fabricio (auch Ponte dei Quattro Capi genannt) und Ponte Cestio.

Basilika San Bartolomeo all'Isola auf der Tiberinsel (Rom)

Wo einst der Tempel des Äskulap stand, wurde die Basilika San Bartolomeo all'Isola errichtet. Detaillierte Informationen über die bewegte Geschichte der Kirche findet ihr auf folgender Webseite: www.sanbartolomeo.org

Jüdisches Viertel

Jüdisches Viertel in Rom

Ich hoffe, die vielen Sehenswürdigkeiten Roms haben euch hungrig gemacht, wenn ihr ins Herz des jüdischen Viertels in Rom vordringt. Liebe geht bekanntlich durch den Magen und mein persönliches Urteil wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von der dortigen Gastronomie positiv beeinflusst. Die jüdische Gemeinde Roms existiert seit der Antike. Einige Quellen geben an, dass sie die älteste des Abendlandes sei. Zahlen hin oder Daten her, die jüdische Gemeinde ist ein wichtiger kultureller Bestandteil Roms. Dies hat sich unter anderem auch in der traditionelle Küche der Ewigen Stadt niedergeschlagen, um nur ein sehr banales Beispiel zu nennen ;-). Als das bekannteste Gericht gelten die berühmten "carciofi alla giudia".

Im ehemaligen Ghetto findet ihr eine wachsende Anzahl an Restaurants, aber auch Fast-Foods, die koscheres Essen anbieten. Mir wurde übrigens gesagt, dass man in Rom nicht koscher, sondern "kasher" sagt. Eine Übersicht von koscheren Restaurant, aber auch Lebensmittelgeschäfte, Metzger etc. findet ihr in englischer und italienischer Sprache auf folgenden Webseiten  www.jewishrome.com und www.romaebraica.it.

Kosher Cakes - auch diese gibt es in Rom

Mich selbst hat an diesem Tag ein israelischen Fast Food namens Mashu Mashu neugierig gemacht. Falafel bekomme ich nur sehr selten in Italien und den frischen Bällchen aus Kichererbsen konnte ich noch nie widerstehen. Dasselbe gilt übrigens auch für Hummus. Denkt bei eurem Spaziergang allerdings daran, dass die Restaurants zum Sabbat geschlossen sind.

Man sollte das jüdische Viertel natürlich nicht nur aus kulinarischen Gründen besuchen. Dieser Stadtteil im Herzen Roms strahlt eine charmante Atmosphäre aus und präsentiert sich ausgesprochen "untouristisch", was eigentlich überraschend ist, wenn man bedenkt, wie nahe viele der bekannten Sehenswürdigkeiten liegen. Auf eurem Spaziergang durch das ehemalige römische Ghetto gibt es kleine Geschäft mit interessantem Kunstgewerbe zu entdecken. Selbst der eine oder andere Handwerksbetrieb hat überlebt.


Rom ist die Stadt der Brunnen, einer schöner und aufwendiger gestaltet als der andere. Auf der kleinen Piazza Mattei, umgeben von schmucken Palazzi, steht der sogenannte Schildkrötenbrunnen - Fontana delle Tartarughe aus dem 16. Jahrhundert.

Schildkrötenbrunnen - Fontana delle Tartarughe Piazza Mattei Rom

Die Große Synagoge von Rom und das Jüdische Museum befinden sich am Tiberufer, genauer gesagt am Lungotevere dei Cenci. Sie ist, für römische Verhältnisse zumindest, neuzeitlichen Ursprungs und wurde gegen Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut.

Aktuelle Öffnungszeiten des Museums und Informationen über die Synagoge von Rom findet ihr auf der offiziellen Webseite www.museoebraico.roma.it.

Große Synagoge von Rom am Lungotevere dei Cenci

Eine Anmerkung: Ich war wenige Tage vor dem Attentat auf das jüdische Museum in Brüssel in Rom. Die Polizeipräsenz vor der Synagoge Roms war bereits zuvor beeindruckend genug für meinen Geschmack. Leider sind während des Gaza-Konflikts im europäischen Raums wieder antisemitische Stimme laut geworden, inklusive eines Anschlages auf die Synagoge von Wuppertal, Übergriffe auf israelische Staatsbürger in Berlin usw. Auch in Rom wurde so manche Mauer mit antisemitischen Schmierereien verunstaltet. Aus diesem Grund möchte ich aus dem Brief des jüdischen Zentralratspräsidenten in Deutschland, Dieter Graumann, zitieren:

Was hat es denn mit Gaza zu tun, wenn Synagogen hier beschmiert und angegriffen, jüdische Menschen bedroht werden und vollkommen entfesselte Menschenmengen auf den Straßen den Juden lauthals wünschen, »vergast«, »verbrannt« und »geschlachtet« zu werden? Kann man denn noch ekelhafter und bösartiger sein? Was ist das anderes als ganz gemeiner Judenhass?

Den vollständigen Brief könnte ihr in der Jüdischen Allgemeinen hier nachlesen.


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Go South East: Alles koscher in Rom
Alles koscher in Rom
Ein Spaziergang durch das historische Rom zum jüdisches Viertel der Ewigen Stadt.
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